In dieser Rubrik möchten wir auf die lange Tradition unseres Vereins zurückblicken und einige der Geschichten erzählen (lassen) die sich in über 100 Jahren zugetragen haben. Dabei sollen Ehemalige und Aktive zu Wort kommen und einen Schwenk aus ihrer Zeit oder zu einem besonderen Spiel zum Besten geben.

Part VIII: Joachim Möschl war Talentschmied bei Landbau und Preußen
Über 25 Jahre engagierte sich „Achim“ für die Jugend von Verein und Kreis
„Als junger Fußballer habe ich 1968 bei Empor Bad Langensalza begonnen, wohin mich mein 8 Jahre älterer Bruder mitgenommen hatte. Mein erster Trainer war Heinz Zöller, der immer wusste worauf es ankommt und sehr gut mit Kindern umgehen konnte. Er hatte einen guten Ruf und viele Kontakte, auch zum Bezirkstrainer Jule Stange. Nach meiner aktiven Zeit in der Jugend musste ich zunächst zum Grundwehrdienst und begann 1981 an der DHfK Leipzig Sport zu studieren. Danach kam ich zurück nach Bad Langensalza und wurde beim Deutschen Turn- und Sportbund ab 1985 als TZ-Trainer tätig. Als solcher war ich für das Grundlagentraining und die Sichtung von Talenten zuständig und verantwortlich für die Betreuung der Kreisauswahl der jeweiligen Altersklassen. Später bekannt geworden sind aus der Zeit z.B. Steffen Knäbe, Torsten Janson, Mark Reiter, Christian Flachsbardt oder Frank Tanne, die nach der D- bzw. C-Jugend zu Rot-Weiß Erfurt gewechselt sind. Es gab natürlich, ähnlich wie heute, in den Sportschulen gewisse Normen für die Aufnahme in den Kreis der Förderung nach den Richtlinien des Fußballverbandes der DDR. Gespielt wurde ebenfalls in Altersklassen, wobei von 9 bis 14 Jahren das Grundlagentraining betrieben wurde. Ich habe damals eingeführt, dass die Altersklassen „rein“ trainiert werden, das heißt jeweils nach Jahrgängen. So spielten beispielsweise bei den Kindern die 10-jährigen im Bezirk und die 8- oder 9-jährigen im Kreis. Es wurden im Bezirk Qualifikationsrunden gegen die anderen Kreisauswahlmannschaften, z.B. aus Mühlhausen, Gotha, Eisenach oder Sömmerda gespielt. Der Sieger davon durfte dann zur Bezirksspartakiade fahren, welche alle 2 Jahre statt fand. Als ich 1985 als Auswahltrainer begonnen hatte, konnten wir uns gleich im ersten Jahr mit 2 Altersklassen dafür Qualifizieren, nachdem Langensalza ganze 9 Jahre dort nicht vertreten war. In der Altersklasse 14, also vergleichbar mit heutiger C-Jugend auf Großfeld, konnten wir eine Bronzemedaille gewinnen. Ein Spieler, der dabei war und den sicher viele kennen, ist Torsten Janson. In der Saison 1988/89 konnten wir sogar Gold holen, was ein großer Erfolg für den Kreis Bad Langensalza war, denn damit hatte keiner gerechnet. Im grünen Preußen-Buch gibt es noch Bilder von der damaligen Mannschaft zu sehen. Es war eine schöne Zeit, in der ich viele ehrgeizige Übungsleiter wie M. Zahn, J. Cibis, H. Schmidt, D. Hoffmann oder D. Henning um mich hatte. Es wurde 3 bis 4 Mal pro Woche trainiert, zumal die Bedingungen im Freien etwas besser als heute waren, denn es stand damals noch die „Kuhweide“ als zweiter Rasenplatz zur Verfügung, welche in späterer Zeit aufgegeben wurde und nun das Autohaus Glinicke beheimatet.

Dann kam die Wende, welche so ziemlich alles auf den Kopf gestellt hat. Ich wurde 1990 beim DTSB entlassen und musste mich zunächst um die berufliche Entwicklung kümmern, die mich zum selbstständigen Versicherungskaufmann gemacht hat. Familiär war es mit meiner Frau und meinen 2 Jungs auch nicht einfach, doch ich denke, dass wir alles gut gemeistert haben. Als alles soweit geregelt war, habe ich als Übungsleiter ehrenamtlich weiter gemacht und die F- bis B-Junioren betreut. Ich wollte zwar lieber ältere Jahrgänge trainieren, aber meine Mitstreiter meinten, ich solle bei den kleinen bleiben, da ich die besten Nerven dazu hätte. Der Umbruch damals, war schon sehr schwierig, vor allem finanziell. Leider haben viele Übungsleiter aus Zeitgründen aufgehört und auch bei mir gab es Schwierigkeiten mit der Anerkennung der Lizenz. Vom Deutschen Fußball Bund wurde die Bezeichnung „Fußballlehrer“ nur an ehemalige Oberliga-Trainer bzw. Dozenten und Sportkoordinatoren vergeben. Alle anderen, die vorher als Trainer angestellt waren, bekamen nach Kriterien die A-Lizenz und somit eine Rückstufung, was für ein 4-jähriges Studium an der DHfK Leipzig nicht gerecht war. Jedoch konnte man in Leipzig bei Dr. Krauspe einreichen, durch welchen dann die neuen Lizenzen beim DFB in Frankfurt vergeben wurden. Da ich mehr als 5 Jahre Praxis als Trainer nachweisen konnte, wurde mir die A-Lizenz verliehen.
Zu damaligen Zeiten gab es in LSZ noch einen DFB-Stützpunkt, was aber aufgrund der schlechten Bedingungen zurzeit nicht mehr gegeben ist. Vielleicht bessert sich das mit dem neuen Kunstrasenplatz und der neuen Sporthalle an der Hannoverschen Straße, denn das ist Bedingung für die Möglichkeit eines solchen Angebotes. Ich hatte damals noch als Stützpunkttrainer auf Honorarbasis gearbeitet und bot alle 14 Tage ein Zusatztraining an, durch welches ich auch Kontrakte zu den Landestrainern Hubert Steinmetz und Fritz Schattauer hatte. Leider konnte sich dieses Angebot nicht auf Dauer durchsetzen, da es zu wenige Fahrmöglichkeiten für die Spieler gab, obwohl eine Fahrtkostenersetzung möglich war. Heutzutage ist es auch ein hoher Aufwand solche Stützpunkte zu betreiben, wie zurzeit in Mühlhausen oder früher in Schlotheim, wo auch einige meiner Schützlinge teilgenommen haben.

Neben dem Trainieren einer Mannschaft wurde ich dann Anfang der 90er Jahre nach dem Ausscheiden von Dieter Henning auch Jugendleiter bei der Fußballabteilung des SV Preußen. Zusammen mit Pele Goldmann, Torsten Otto und Jens Freytag war ich der Begründer des Salza-Cups. Jens war damals mit seinen A-Junioren in Ohrdruf, wo das Turnier „Ohrdruf-Cup“ hieß und so habe ich dann unser Turnier einfach „Salza-Cup“ genannt, da er ja ohnehin in der kürzlich fertig gestellten „Salza-Halle“ stattfinden sollte. Ich bin damals zum frisch ins Amt gekommenen Bürgermeister gegangen und habe ihn gebeten, einen Wanderpokal für die Jugendturniere zu spendieren. Er als ehemaliger Sportlehrer und Leistungssportler gab mir als Trainer guten Zuspruch und so konnte das Turnier erstmalig am 11.Febrauer 1995 durchgeführt werden. Bereits im gleichen Jahr stieg die zweite Auflage, da in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr eh nicht viel los war und so haben wir zum Jahresende 1995 den Salza-Cup erneut veranstaltet, welcher Termin sich bis in heutige Tage gehalten hat. Die ersten Kontakte hatten wir damals zum SV Reichensachsen in Hessen, von welchen wir die Dinge der Turnierorganisation übernommen haben und zu denen wir bis heute Kontakte pflegen. 21 Jahre gute Beziehungen zu einem anderen Verein, da muss erstmal jemand nachweisen. Obwohl damals unser Schatzmeister nicht so für Hallenturniere war, wurden dann 1996 auch erstmals Männerturniere ausgespielt, was zusätzliche Einnahmequellen mit sich brachte.

Natürlich möchte ich euch auch über einige Jungs berichten, die ich früher trainiert habe. Der bekannteste davon ist Marco Engelhardt, welcher es zum 3-maligen deutschen A-Nationalspieler gebracht hat. Sein erster Trainer war damals Jürgi Cibis und mein Sohn Nico ist sehr oft mit ihm bolzen gegangen und auch mein jüngerer Sohn Stefan sowie Maik Jungshans haben ab und zu mitgespielt. Allerdings muss ich sagen, dass Patrick Steinmetz noch ein wenig mehr Talent als Marco hatte. Als beide im Internat bei RWE waren, wurde Patrick zuerst von Jürgen Raab in die Erste geholt. Er hatte Glück, dass damals die Stichtage für die Eingliederung in die Jugendmannschaften umgestellt wurden und nun der 1.1. und nicht mehr der 31.8. die Grenze für die Einteilung war. Da Patrick im Januar geboren wurde und Marco schon im Dezember, konnten beide im letzten Jahr der A-Junioren bei Rot-Weiß zusammen spielen. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie hat ich dann doch Marco in der Ersten durchgesetzt und Patrick wurde von Albert Krebs nach Rudisleben geholt.

Ein Spieler, der momentan im Kader von der Ersten bei Preußen steht, war ebenfalls mein Schützling. Robert Walter habe ich schon recht früh übernommen, da war er erst 7 oder 8 und schon wirklich pfiffig. Da wir damals noch keine F- hatten, ließ ich ihn gleich in der E-Jugend, teilweise sogar gegen 10-jährige spielen und er hat sie alle vernascht. Er war und ist einfach mit Laib und Seele Fußballer, der als Jugendlicher oft gebolzt hat, bis es dunkel wurde. Ich kann mich noch erinnern als wir mit der D-Jugend in Eisenach in der Aßmann-Halle beim Opel-Cup gespielt haben. Das war ein Turnier mit 16 Mannschaften und ging von früh um 8 bis abends um 8. Es war sogar Bayern München da, bei denen der Sohn von Karl-Heinz Rummenigge gespielt hat und wir waren die einzige Mannschaft, welche nicht verloren hat. Es war ein sehr spannendes Spiel und wir haben einfach kein Tor reingelassen. Am Ende haben uns sogar alle Zuschauer angefeuert und wir haben tatsächlich das 0:0 gehalten. Nach dem Turnier kam dann der Bayern-Trainer zu mir und wollte die Daten von Robert haben, um ihn zum Probetraining einzuladen. Irgendwie ist es dann leider nicht zum Wechsel gekommen, sonst wäre er heute vielleicht Profifußballer. Robert konnte einfach nie genug vom Fußball bekommen und hat meistens nach dem Training noch auf dem Bitumenplatz, der gerade umgebaut wird, vor den Ball getreten. Dabei verletzte er sich auch mal schwer und hat die Narbe davon immer noch.

Es war echt eine schöne Zeit damals und es hat viel Spaß gemacht mit den Jungs. Ich weiß noch, in einem Jahr haben wir sogar mal Rot-Weiß Erfurt geschlagen, wobei mich der ehemalige Landbau-Spieler Bübchen Klein als damaliger D-Jugend-Trainer bei RWE bis heute fragt, wie wir das gemacht haben. Das hat ihn schon ganz schön gewurmt. Wir hatten gute Verstärkungen erhalten, z. B. Steven Klarner und Alex Stude aus Henningsleben, die dort vorher sehr gut von Heiko Jendreck ausgebildet wurden und dann unter mir bei Preußen spielten. Sie hielten die Abwehr dicht, ebenso wie Eric Grams und Markus Fromm, der ein guter Linksbeiner war, aber leider nach der D-Jugend aus unerklärlichen Gründen zum Golfsport gewechselt ist. Ebenso dabei waren Marcel „Celli“ Lorenz, Saide Abudo und Martin Schneider, der damals noch Stürmer spielte und nun leider nicht mehr unter uns ist. Trotz der guten Mannschaft wurden wir trotzdem nur Zweiter, da vor uns am Ende noch die Mannschaft aus Mosbach stand, gegen welche wir 2 sehr spannende Spiele bestritten hatten. Nachdem wir dort im Hinspiel knapp mit 2:1 verloren hatten, verloren wir auch im Rückspiel kurz vor Saisonende auf dem Hartplatz unglücklich mit 0:1. Das war schon echt schade für die Truppe.

Wenigstens konnten wir uns bei Rot-Weiß revanchieren, denn 2 oder 3 Jahre zuvor verloren wir mit der E-Jugend ganz ärgerlich das Bezirkspokalfinale im heimischen Stadion der Freundschaft gegen sie. Wir waren eigentlich besser, doch dann wurde Robert Walter umgenietet und es gab nur gelb vom Schiedsrichter Tino Wenkel. Da haben wir leider zu lange mit gehadert und in der Verlängerung bekamen wir das 1:2 durch Tom Rost eingeschenkt, der frisch eingewechselt in seinem ersten Spiel für Rot-Weiß das entscheidende Tor machte. Die Enttäuschung bei den Jungs und auch bei mir war Riesen groß.
Dennoch bin ich der Meinung, dass für die Jugendspieler irgendwelche Erfolge nicht vordergründig wichtig sind, sondern immer die sportliche Entwicklung Vorrang haben soll. Es ist halt ein zweigleisiges Schwert, denn als Trainer bist du gezwungen, die Kinder bei Laune zu halten. Dann kommt dazu, dass man manchmal Spieler in die höhere Jugend abgeben muss, wo sie im Prinzip nur lernen können und auch mal merken, dass sie sich durchsetzen müssen als Fußballer. In der jüngeren Gruppe werden die „Stars“ dann halt mal rausgenommen, damit die anderen auch spielen. Als Juniorenspieler ist es wichtig, dass man ehrgeizig ist. Wie zum Beispiel damals Martin Rommeis, der nicht der beste Spieler war, aber bei ihm hat der Einsatz gestimmt und er hat sich viel selber erarbeitet.
Als Trainer freut man sich natürlich über jeden einzelnen Spieler, der sich sportlich gut entwickelt und vielleicht den Sprung in die erste Mannschaft oder zu einem höherklassigen Verein schafft. Aktuell ist es bei der ersten Mannschaft bemerkenswert, dass die Hälfte aus der eigenen Jugend stammt, jedoch hat es in den letzten 3 Jahren mit Rico Gothe, den ich selbst 2 Jahre lang hatte, nur ein Spieler bis dahin geschafft, was wiederum schade ist. Der Übergang von der A-Jugend in den Männerbereich ist am Härtesten im Leben eines Fußballers. Da braucht man als junger Spieler auch mal Ausdauer und man muss einfach Abwarten was sich ergibt. Wichtig ist, dass man sich nicht verheizen lässt, aber dennoch am Ball bleibt und alles gibt, um es zu schaffen. Ich bin immer über Spieler traurig, die nicht kämpfen wollen und lieber wieder aufs Dorf zurückgehen. Einerseits kann man das schon vorstehen, aber auf der anderen Seite ist es ärgerlich, wenn bei gutem Talent nicht die richtige Einstellung da ist.

Ein früherer Kollege, den sicher viele im Verein noch kennen, ist Pele Goldmann. Leider ist er durch die bekannten Umstände nicht mehr bei uns, doch wurde er von vielen, vor allem auch seinen Spielern, als netter, warmherziger Übungsleiter geschätzt. Er war praktisch immer da, wenn man ihn brauchte und sprang sozusagen als Feuerwehrmann ein, wenn irgendwo ein Posten frei wurde. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber er war in allen Altersklassen, auch als Co-Trainer, gern gesehen. Preußen war sein Leben und der Verein hat ihm auch irgendwo halt im Leben gegeben. Er war von klein auf bei Landbau dabei und ist auch als Trainier niemals fremdgegangen. Leider hat er sich immer darum gedrückt, sich weiterzubilden und so hatte er auch keine höhere Übungsleiter-Stufe. Bei Preußen hat er in den neunziger Jahren ein ehrgeiziges Projekt betreut, in dem er zusammen mit Fipps Schneider eine Frauenmannschaft begründet hat, die einige Jahre existierte. In einem Jahr hatte er einen schwierigen Jahrgang übernommen. Ich glaube das war in meiner Anfangszeit als Jugendleiter, so um 93/94, wo er einige „Chaoten“ betreute. Deshalb wurde auch die Teilnahme mit der B-Jugend am Internationalen Turnier in Bad Nauheim abgesagt.

Dennoch waren wir in der Zeit öfters mit den Jungs unterwegs. So zum Beispiel an der Ostsee in Kröpelin, wohin viele Eltern mitgefahren sind und es schön Spiele Väter gegen Söhne gab. Oder als wir in Griechenland zum Internationalen Turnier waren und die Organisation einfach nur chaotisch war. Nach dem Flug hatten alle Kohldampf aber wir mussten erst mal 2 Stunden mit dem Bus durch Athen fahren. Ähnlich war der Weg zum Sportplatz, wohin an einem Tag alle Busse weg waren und wir uns noch in einen schon vollen Bus quetschen mussten, der umgekehrt war. In Oostkamp hatten wir ebenfalls eine schöne Zeit, nur leider war die Unterstützung der Stadt damals sehr schlecht. Lustig war, als wir deshalb ein Elternteil zur Siegerehrung einfach als Bürgermeister hingeschickt haben. Jens Freytag kann ein Liedchen von den Erlebnissen bei diesen Ausflügen singen. Schön waren auch immer die Osterbegegnungen gegen Schwarz-Weiß München, zu welchen ich Kontakt über meinen Bruder hatte.

Leider schaffe ich es momentan nicht, mich als Trainer bei Preußen einzubringen. Familiär bedingt, habe ich vor 3 Jahren die Tätigkeit als Übungsleiter nach 25 Jahren beenden müssen. Dennoch bin ich bei den Alten Herren dabei und verfolge natürlich die Geschehnisse im Verein. Sehr positiv ist der Bau der Kunstrasenanlage, wodurch sich die Bedingungen enorm verbessern, was nur förderlich für die vielen Jugendspieler in unserem Verein sein kann. Vielleicht kommt es irgendwann dazu, dass es in Bad Langensalza wieder einen DFB-Stützpunkt gibt.“

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Part VII: Aus aktuellem Anlass erzählt Celli über seine Zeit bei Preußen
Ein Spieler aus Preußen’s Talentschmiede geht seinen Weg
„Ich hätte mir nie vorstellen können mit 22 Jahren über die „damalige“ Zeit bei Preußen zu sprechen, aber nun ist es einmal so…
Im Jahr 1997 habe ich angefangen aktiv im Verein Fußball zu spielen und habe alle Jugendmannschaften der Preußen durchlaufen. Dabei habe ich natürlich mit den wichtigsten Jugendtrainergrößen der letzten 15 Jahre zusammengearbeitet. Thorsten Otto, Marion Köhler, Joachim Möschl, Heiko Jendreck und natürlich auch Harry Schmidt, dem auch hier mein besonderer Dank gilt, da er doch im Großen und Ganzen meine letzten Jahre in der Entwicklung deutlich geprägt hat und auch einen großen Teil dazu beitrug, dass ich nun mal so Fußball spiele, wie ich es gerade mache. Ich denke im Allgemeinen haben Harry und Heiko die Vorarbeit für die erfolgreichen Männerjahre der Preußen geleistet und den Großteil der jungen Spieler wie Dennis, Benni, Max, Shagger und Günther dahin gebracht, wo sie jetzt stehen. Aus den Jugendjahren sind vor allem die internationalen Turniere in Litauen, Griechenland und Tschechien in Erinnerung geblieben, die zwar sportlich nicht immer so liefen wie man sich das erhofft hat, die aber einen Riesenspaß gemacht haben. Meine erste schmerzhafte Niederlage war damals in den E- oder D-Junioren im Landespokalfinale gegen Rot Weiß Erfurt, welches wir sehr unglücklich mit 2:1 verloren hatten in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit. Trainer war Joachim Möschel und mit dabei waren unter anderem Robert Walter und Jan Hofmeister.
Den Sprung in die 1.Männermannschaft schaffte ich unter Harry Schmidt 2007 zur Rückrunde und spielte da meine erste Halbserie und hatte auch für mich überraschenderweise gleich das volle Vertrauen und spielte somit auch oft von Anfang an. In diesem Halbjahr hat es auch noch fast für zehn Tore gereicht, wenn ich mich recht erinnere. Mein erstes Spiel werde ich aber nie vergessen. In Walschleben auf der schönen Schnörkelscheibe haben wir 1:0 gewonnen, obwohl wir deutlich unterlegen waren. Das entscheidende Tor an diesem Tag erzielte ich nach Vorarbeit von Dimi Bagrov und wir hielten das 1:0 auch über den Rest der Spielzeit. Ein Einstand nach Maß. Wie sich in den nächsten Spielzeiten zeigen sollte, war das Zusammenspiel mit Dimi immer erfolgreich und er ist auch ein Spieler, den ich immer mit meinen ersten Männerjahren verbinden werde. Die folgenden Jahre waren immer mit zahlreichen Verletzungen geprägt, wobei ich aber immer wieder zurückkam und auch meine Tore machte. Im Männerbereich waren natürlich die Pokalsiege 2008 und der Aufstieg in die Landesklasse 2009 die größten Erfolge. Die Aufstiegssaison ist sportlich sehr positiv verlaufen, dennoch mussten wir einen schmerzlichen Verlust hinnehmen. Martin Schneider starb in sehr jungen Jahren bei einem tragischen Autounfall. Ich habe mit Martin alle Jugendjahre durchlaufen und werde auch ihn nie vergessen. Das ausgerechnet ich in dem ersten Spiel nach diesem Ereignis das entscheidende Tor in der letzten Minute schoss und den Aufstieg schon fast perfekt machte, bedeutete mir umso mehr. Es war das schwerste Spiel meiner Laufbahn.
Die letzte Saison kann ich getrost in die Schublade für schlechte Erinnerungen legen. Es war mit Abstand mein bitterstes Jahr bei den Preußen. Eine hartnäckige Verletzung hat mich fast die komplette Hinrunde außer Gefecht gesetzt und in der Rückrunde kam ich nicht auf meine gewünschten Spielzeiten, um wieder mit Toren zu punkten. Großen Anteil an dieser Misere hat auch mein Studium in Leipzig, was mich dazu zwingt nicht unter der Woche bei der Mannschaft sein zu können. Und das hätte sich in der kommenden Saison auch nicht geändert, sodass ich auch aufgrund weiterer Gründe mir eine neue Herausforderung gesucht habe, um wieder in eine ordentliche Form zu kommen und vielleicht auch wieder das Preußentrikot gestärkt tragen zu können.
Was die Zukunft bringt ist noch ungewiss, da ich noch 3 Jahre studieren werde und somit nicht regelmäßig in der Heimat sein kann. Aber ich werde so oft es geht im Stadion der Freundschaft sein und die Heimspiele verfolgen. Grund hierfür ist nicht nur die Verbundenheit zum Verein, sondern auch der Draht zu meinen besten Freunden, die auch im Verein spielen.“
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Part VI: Benno Harbauer gibt einen Rückblick über die Gründung des FSV 1996 Preußen Bad Langensalza
„Bei einem Großverein, wie es der SV Preußen war, ist es schwierig, die Arbeit unter den einzelnen Sektionen aufzuteilen und einen gemeinsamen finanziellen Konsens zu finden. Die Fußballabteilung hatte damals das größte Budget, wovon die anderen Abteilungen natürlich profitieren wollten und gewisse Gelder für sich beanspruchten. Das machte die Arbeit natürlich nicht einfacher, weshalb ab 1995 über eine mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung diskutiert wurde. Die treibenden Kräfte waren J. Cibis, T. Otto und H. Loth (ehemaliger „Manager“ der BSG Landbau und später KFA-Vorsitzender). Die Idee wurde dann über das Jahr immer konkreter und am 15. Juni 1996 fand schließlich die Mitgliederversammlung zur Gründung des FSV 1996 Preußen Bad Langensalza statt, wobei wie heutzutage auch, nur etwa 40 bis 50 Sportfreunde anwesend waren. Erster Präsident wurde ohne Gegenkandidat Klaus Bernstein, der allerdings dazu ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde kam, weshalb es in der Anfangszeit des FSV auf allen Gebieten, also finanziell, sportlich und in der Außendarstellung keine Fortschritte gab. Erst als 2 Jahre später Joachim Fellenberg zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, kam der Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser. Allerdings hatte auch er in der dritten Wahlperiode einmal um den Posten „kämpfen“ müssen, als die Freizeitmannschaft den Verein übernehmen wollte und zum einzigen Mal in der 15-jährigen Geschichte des Vereins einen Gegenkandidaten stellte. Dieser zog seine Bewerbung dann aber während der Versammlung zum Glück zurück.
Die Entscheidung zur Gründung eines reinen Fußballvereins war im Nachhinein absolut richtig. Wichtig war aus meiner Sicht vor allem, dass die Bezeichnung „Preußen“ im Vereinsnamen erhalten geblieben ist und somit die große Tradition des Fußballs in unserer Stadt fortgesetzt wurde. Die Sponsorengewinnung war dadurch in der Folgezeit jedoch auch nicht einfacher. Im Prinzip könnte sich eigentlich jede Sportart in einem eigenen Verein aufstellen, um dadurch selbstständiger zu sein. Das geht aber nur, wenn dann auch ein gutes Vereinsleben gegeben ist, denn bei nur wenigen Mitgliedern macht das keinen Sinn, weil ganz einfach zu wenig Geld durch Mitgliedsbeiträge rein kommt. In unserem Verein haben wir mit fast 300 Mitgliedern aber eine sehr gute Basis, um eine solide Vereinstätigkeit zu betreiben.
Auf Fußball bezogen, waren wir 1996 ein „No Name“, der in der Kreisliga spielte und das nähere regionale Umfeld unsere Stellung belächelte. Uns war damals klar, dass es Jahre dauern wird, bis wir sportlich wieder eine größere Rolle spielen werden. Der Bezirksligaaufstieg 1999 war enorm wichtig für die weitere Entwicklung. Dann dauerte es nochmals 10 Jahre bis wir die Landesklasse erreichen konnten und ich würde mir wünschen, dass wir irgendwann wieder dort ankommen, wo wir 1990 nach der Wende gestartet sind: In der Landesliga!
Im Laufe der 15 Jahre sind wir in der Gesellschaft wieder dort angelangt, wo wir schon einmal waren. Wir haben ein tiefes Tal durchschritten, in welchem unsere Wahrnehmung in der Stadt im Prinzip nicht da war. Unser Image wird immer mehr positiv und wir können auf eine gute Sponsorenlandschaft bauen. Das beweist auch die Mitgliedschaft von Landrat und einigen weiteren Kommunalpolitikern in unserem Verein. Zwar wäre das früher eine Selbstverständlichkeit gewesen, aber es zeigt, dass man uns mittlerweile wieder mehr zur Kenntnis nimmt. Im Vergleich mit Vereinen in anderen größeren Städten in Thüringen sind wir, denke ich was die Wahrnehmung betrifft, auf gleicher Ebene.“
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Part V: Harry Bierwirth konnte zwei mal feiern
Landbau-Ikone Harry Bierwirth berichtet von heißen Duellen und alten Herren.
„Meine aktive Zeit bei der BSG Landbau war von 1976 bis 1983. Ich habe also beide Aufstiege in die DDR Liga mitgemacht. Ich kann mich noch genau erinnern an den ersten Aufstieg im Jahr 1977. Es war meine erste Saison bei Landbau und am vorletzten Heimspiel der Bezirksliga ging es gegen den direkten Konkurrenten um den Aufstieg, die ZSG Leinefelde. Es war ein sehr spannendes Spiel, welches wir am Ende mit 2:1 durch Tore von Wolfgang Kalbe und Achim Ritter gewannen. Es war eine gewaltige Resonanz der Zuschauer, die aus dem gesamten Umland von Langensalza ins Stadion der Freundschaft strömten. Bei dem Spiel gegen Leinefelde waren es über 3000. Das war schon eine gewaltige Atmosphäre, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Selbst auf der Gegengerade standen die Leute in mehreren Reihen dicht gedrängt hintereinander. Auch am letzten Spieltag waren es noch einmal 1600 Zuschauer, als wir Sondershausen mit 3:1 besiegten. Der Ausgang der Meisterschaft war äußerst eng, denn am Ende waren wir punktgleich mit Leinefelde. Auch die geschossenen Tore waren mit 54 identisch, jedoch hatten wir 4 Gegentore weniger. Der Aufstieg wurde natürlich in der Stadion-Gaststätte ausgiebig gefeiert. In meiner ersten Saison bei Landbau konnte ich 28 Spiele bestreiten und als Mittelfeldspieler sogar 6 Tore erzielen. In der folgenden Saison stiegen wir leider wieder ab, da wir einen Punkt zu wenig gegenüber Motor Hermsdorf hatten, bei welchen es am vorletzten Spieltag nur zu einem 0:0 reichte. Allerdings ist mir das Spiel zu Hause gegen Tiefenort in Erinnerung geblieben, als wir in den letzten 4 Minuten das Spiel noch in ein 2:1 umgebogen haben. Die Tore hatten Egon Göthling und Wolfgang Kalbe erzielt.
Damals war es so, dass es innerhalb der Mannschaft einen Zwiespalt gab, denn es waren 3 verschiedene Grüppchen. Einmal die Spieler aus Langensalza, dann kam ein Teil der Mannschaft aus dem Erfurter Raum und einige wiederum aus Gera, wie zum Beispiel Hans Kliemank oder Joachim Posselt. Sie kamen damals immer nur zu den Spielen angereist, weshalb wir nie mit einer kompletten Mannschaft trainiert haben. Dennoch waren die auswärtigen Spieler immer topfit. Es war eigentlich jeden Tag Training und das zumeist am Vormittag, was aber kein Problem war, da dies die Betriebe erlaubt haben, vor allem natürlich das Landbaukombinat, als unser Trägerbetrieb. Wenn “Tröle” (Trainer Rainer Trölitzsch) sagte, es ist am andere Tag um 10 Training, dann wurde auch trainiert. Wir waren ja schließlich das Aushängeschild der Stadt.
Es war schon eine schöne Zeit, über die ich mich noch heute gerne unterhalte, wie zum Bespiel mit meinen ehemaligen Mitspielern und guten Freunden Erich Paufler oder “Felle” (Joachim Fellenberg). Der Zuspruch damals war einfach riesig. Auch auswärts waren immer gut 300 Fans mit dabei. Außerdem sind die schönen Abende im Stadion bei Gastwirt Rainer Schlier sowie die heißen Duelle mit Gotha und Leinefelde in der Bezirks- bzw. mit Gera und Tiefenort in der DDR-Liga in Erinnerung geblieben.
Heute nehme ich gerne Anteil am Nachfolger von Landbau, dem FSV Preußen und schaue mir oft die Spiele im Stadion der Freundschaft an. Des Weiteren bin ich noch dazu bei den Alten Herren aktiv und halte so meinem Verein weiterhin die Treue.“

Part IV: Oliver Zitschke schaute für uns noch einmal in die Sterne
Staubsauger „Zitschki“ erinnerte sich an den Sensationserfolg in Eisenach von 2003.
„Mit 17 durfte ich meine ersten Spiele in der Ersten bestreiten und gehörte ab Sommer 2002 zum Kader. In der Saison 2002/2003 bestritt ich dann 24 Spiele und erzielte sogar 2 Tore. In der folgenden Spielzeit konnte ich mich mit 23 Einsätzen und ebenfalls 2 Toren etablieren. Das absolute Highlight dieser Saison war unser Auswärtsspiel in Eisenach im Herbst 2003. Die Wartburgstädter hatten die ersten 11 Spiele der Saison alle gewonnen und wir fuhren mit 13 Punkten als absoluter Außenseiter dort hin. Wir spielten im Wartburgstadion und es lief unerwartet richtig gut für uns. Am Ende gewannen wir sensationell mit 3:1. Die Tore machten Alex Mäder, Christian Giest und Marcel Koch nach schönen Kontern von uns. Besonders kurios an dem Spiel war, dass der Eisenacher Trainer damals einen Sterndeuter hatte und nach den Geburtsdaten von seinen und den gegnerischen Spielern aufstellen ließ. Scheinbar standen die Sterne zu diesem Spiel besonders gut für uns. Beispielsweise musste Leo Bagrov, der ein Jahr später zu uns wechselte, bei diesem Spiel auf der Bank der Eisenacher Platz nehmen und war nicht gerade begeistert darüber. Leider war damals der Zuspruch von unseren Fans nicht so groß und es waren nur ca. 40 Leute dabei, die uns unterstützten. Es war dennoch das Saisonspiel vor der größten Kulisse. Die Eisenacher hatten total Euphorie und es kamen insgesamt 210 Zuschauer. Ich war damals sehr stolz mit gerade mal 19 Jahren in der Mannschaft mitspielen zu dürfen. Nach dem Spiel lagen sich alle in den Armen und wir tanzten im Mittelkreis ausgelassen umher. Die Eisenacher haben natürlich “abgekotzt”. Die Heimfahrt war feuchtfröhlich und dann ging die Party im Stadion weiter, wo bis in die Nacht hinein getrunken und gesungen wurde ohne Ende. Unsere Saison war schließlich nur durchwachsen und wir wurden mit 42 Punkten Sechster. In der Rückrunde spielten wir gegen Eisenach zu Hause 0:0 und nahmen ihnen so abermals Punkte ab, weshalb sie am Ende nicht aufstiegen, da ihnen 5 Punkte fehlten. Möglicherweise die 5 Punkte, die sie gegen uns liegen gelassen haben.“
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Part III: Ronald Fromm war Landbau-Fan erster Stunde und gab dieses Gen auch an seinen Sohn weiter
Mit Ronald Fromm lassen wir diesmal einen stadtbekannten Fußballfan zu Wort kommen. Doch heute sollen weder seine rot-weißen Erfurter, noch sein glorreicher FCB, sondern sein Heimatverein der FSV Preußen im Rampenlicht stehen.
„Meine ersten Anfänge mit dem Fußball hatte ich auf dem Töpfermarkt in Bad Langensalza, in dessen Nähe ich geboren wurde und aufwuchs. Dort spielten wir zu meiner Zeit oft Fußball. Als ich eines schönen Tages im August 1970 nichts ahnend gegen das dortige Werner-Seelenbinder-Denkmal schoss, entdeckte mich Herr Freitag von der neugegründeten BSG Landbau Bad Langensalza und lud mich zum Training der Nachwuchsteams ein. Damals spielten wir in schwarzen Hosen und weißen Hemden, den Traditionsfarben von Preußen. Jedoch war es in DDR verpönt, Preußen zu erwähnen und in Zusammenhang mit diesen Farben zu bringen. Damals spielte ich über viele Jahre mit demselben Stamm: Thorsten Otto, Ingo Zimmermann, Uwe Kellermann, Steffen Hellbach, Detlef Zopf, Michael Möschl, Ingo Neugebauer, Ingo Weißenborn und Frank Ewert. Als erste Position hatte ich die des rechten Verteidigers inne, da aber Ingo Neugebauer als Rechtsbeiner auf der linken Abwehrseite so seine Probleme hatte, spielte ich bald den linken Verteidiger. Mein Vater sagte mir immer, wenn ich in der Nationalmannschaft spielen will, muss ich beidbeinig sein und so kam es, dass ich einen ganz passablen linken Fuß spielen kann. Ich durchlief also die komplette Landbau-Jugend zwischen 1970 und 1980. Für mich war es eine grandiose Zeit zusammen mit den anderen in der Mannschaft und es ist schön, wenn man sich heute ab und zu wieder sieht.
Langsam begann ich auch den Fußball der Erwachsenen bewusst wahrzunehmen, natürlich auch weil mein Vater im Männerbereich bei Aufbau Bad Langensalza spielte und mich oft mit zu den Spielen auf’s Dorf nahm. Auch die DDR-Oberliga und vor allem die Bundesliga schauten wir uns immer im Fernsehen an, wobei die Bundesliga Vorrang hatte. Auch die Nationalmannschaft interessierte mich sehr und so erfuhr ich mit großem Entsetzen einen Tag verspätet von Deutschlands Niederlage im Jahrhundertspiel, dem WM-Halbfinale 1970 gegen Italien. Als Landbau dann immer weiter aufstieg, fuhr ich oft mit meinem Vater zu den Auswärtsspielen, erst auf Kreis- später dann auf Bezirksebene. Damals brachten wir oft mehr als 500 Zuschauer mit zu den Auswärtsspielen auf die Dörfer der Umgebung. In dieser Zeit gab es nicht viel, womit man sich in seiner Freizeit beschäftigen konnte und so gingen sehr viele Leute mit zum Fußball, viele hingen daran. Besonders heiß ging es immer in Ruhla her, wobei auch ab und zu ein paar Fäuste flogen. Ende der 70er Jahre fingen wir an und organisierten uns. Ca. 40 Jugendliche sammelten sich zu jedem Heimspiel am Hang hinterm Tor und feuerten Landbau an. Der heutige Standort der Nackten Reiter auf der Tribüne war damals den Erwachsenen vorbehalten. Auch einen selbsthergestellte Landbau-Fahne besorgte mir meine Mutter über einen Arbeitskollegen ihrer Arbeitsstelle bei der Melioration. Einen organisierten Fanartikel-Verkauf gab’s noch nicht und so stellten wir unsere Utensilien alle selbst her. Später regten wir dann an, Programmhefte drucken zu lassen, um das Zeitgeschehen festzuhalten, was dann auch umgesetzt wurde. Auch auswärts fuhren wir zahlreich mit den Bussen. Zu einem Spiel auf dem Lindenberg in Weimar erlebten wir sogar einen Blocksturm, als sich die RWE- und FCC-Fans Weimars zusammenschlossen, um uns anzugreifen. Dabei büßten wir nicht nur einen Schal ein, da dies die meisten nicht kannten. Den Rivalen in diesem Sinne gab es damals nicht, vielmehr entstanden Spannungen aufgrund des Tabellenstandes. Natürlich wurden Organisationen aller Art vom Staat kritisch beäugt, weshalb wir auch nie einen Namen für unsere Fangruppe hatten. Die Politik hatte in der DDR sehr viel Einfluss auf den Sport, bis hin zu manipulierten Spielen, wie dem berühmten 4:5 der Erfurter gegen BFC Dynamo, als man solange nachspielen ließ, bis der Siegtreffer für die Berliner endlich fiel. Sogar heute bin ich noch am Verzweifeln, wenn ich an dieses Spiel und die offensichtliche Manipulation denke. Bei Landbau in der DDR-Liga tat sich mir allerdings nie der Eindruck eines geschobenen Spiels auf. Ich erinnere mich lediglich an ein entscheidendes Abschiedsspiel, als der Schiedsrichter einen fragwürdigen Elfmeter für die Gäste gab und er von den Ordnern beschützt werden musste, weil sonst doch einige Fäuste geflogen wären. Es waren schon damals viele Emotionen im Spiel und es konnte sich dann auch schnell aufschaukeln.
Anfang der 80er Jahre musste ich dann zur Armee nach Forst und sah in meinen 1,5 Jahren Grundwehrdienst kein einziges Fußballspiel, was die schlimmste Zeit meines Lebens war. Ab Mitte der 80er Jahre spielte ich dann bei der Wohnsportgemeinschaft 10 (WSG X) was in der Umgangssprache nur Kriegshohl genannt wurde und heute der FSV 1986 Bad Langensalza ist. 1987 fingen wir in der 2.Kreisklasse an. Landbau schaffte Ende der 80er leider nicht mehr den Sprung in die zweithöchste Spielklasse der DDR, die DDR-Liga, weil auch dort das Niveau anstieg und für Bad Langensalza einfach nicht mehr zu stemmen war. Den Wendeknick Anfang der 90er muss man wohl so hinnehmen. Jeder Verein hatte mit der Umstellung zu kämpfen. Zu der Zeit, muss ich eingestehen, ging ich nicht mehr so häufig zu Landbau/Preußen, da ich 1989 heiratete und mein Sohn Markus, heute Mitglied der Nackten Reiter, 1990 geboren wurde. Des Weiteren war ich zur Wende politisch aktiv und wurde im März ’90 in den Kreistag gewählt, weshalb schlagartig mit dem aktiven Fußballspielen bei der WSG X und auch den Spielbesuchen Schluss war. Bis 1995 absolvierte ich ein Fernstudium und besuchte nur sehr selten Spiele von Preußen, hielt mich aber über die Zeitung immer auf dem Laufenden. Erst 1997, als ich Markus in der Jugend des FSV Preußen anmeldete, baute ich wieder einen Draht auf. Häufig begleitete ich ihn auf die Dorfsportplätze des Kreises, wo es einige Male heiß herging. Das war wieder eine schöne Zeit mit Preußen, meinem Sohn (der ein guter Linksbeiner geworden ist) und seiner Truppe. 2002 beendete er dann auch das aktive Fußballspielen.
Um so schöner, dass er sich als Gründungsmitglied der Nackten Reiter bei Preußen einbringt und ihr als Nackte Reiter wieder was auf die Beine stellt. In diesem Sinne Wünsche ich euch alles Gute für die Zukunft! Es lebe der Fußball, es lebe Preußen!!!“
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Part II: Mario Zahn erzählt vom Vertikutieren und Arefizieren
Heute stand uns Mario Zahn Rede und Antwort. Mario erlebte sowohl die DDR-Liga Zeiten mit Landbau als auch Preußen’s Abstieg nach der Wende in den verschiedensten Funktionen. Aber lest selbst:
„Seit 1970 bin ich Mitglied im Verein als ich mit 10 Jahren das Fußballspielen begann. Wir spielten damals auf Bezirksebene unter anderem gegen Erfurt, Eisenach, Nordhausen, Gotha. Meine Anfänge machte ich als letzter Mann. Damals fuhren oft 5 Mannschaften zu den Auswärtsspielen von den ganz Kleinen (Kinder) bis zu den Ältesten (Junioren). Natürlich spielten die Jüngsten immer als erstes und mussten auf die Heimreise warten bis die Junioren als letztes ihr Spiel beendeten. Da kam es schonmal vor, dass man von frühs um 7 bis abends um 5 unterwegs war.
Ich glaube 1978 machte ich dann mein erstes Spiel im Männerbereich für die II. Mannschaft in der Bezirksklasse. Meine Mitspieler hießen z.B. Helmut Müller, Bernd Schmidt oder Hans Mäder. Im FDGB-Bezirkspokal schalteten wir Heiligenstadt und Sondershausen aus (nachdem die Erste eine Woche zuvor dort verlor) und spielten im Halbfinale gegen unsere eigene Erste, welcher wir mit 1:3 unterlagen.
Ab 79/80 bestritt ich meine ersten Spiele für die Erste in der DDR-Liga, war aber kein Stammspieler. Jedoch war ich zu dieser Zeit der einzige Junge der aus der eigenen Jugend nachkam. Zumeist wurden Spieler verpflichtet, die von weiter herkamen. Oft spielten wir vor einer Kulisse von mehr als 2000 Zuschauern, auch in der Bezirksliga kamen um die 700 Besucher. Bis ’84 verpassten wir den Wiederaufstieg in die DDR-Liga immer nur sehr knapp. Danach konnte ich nicht mehr mitwirken, weil ich zur NVA nach Bad Saarow musste und auch am Sprunggelenk operiert wurde. Auch gegen spätere DDR-Auswahlspieler durfte ich ran. Unter anderem spielte ich gegen den späteren Oberliga-Totschützenkönig Geißler oder Klaus Hafenstein als wir ein Freundschaftsspiel gegen Chemie Leipzig hatten.
Nach meiner Armeezeit wurde ich 1985 Platzwart im Stadion der Freundschaft. Für damalige Verhältnisse hatten wir eine sehr gute Sportanlage, weshalb auch viele Veranstaltungen (Juniorennationalspiele, Radrundfahrten) im Stadion stattfanden. Trotz allem durfte nur die Erste von Landbau auf dem Rasen spielen, wodurch die Belastung in Grenzen gehalten wurde. Nach der Wende übernahm die Stadt die Trägerschaft für das Stadion der Freundschaft und ich bewarb mich ’92 wieder als Platzwart und wurde angenommen.
Gleichzeitig ging es bei Preußen bergab. Da das Geld fehlte gingen viele Spieler, weil sie nicht sonderlich am Verein hingen und es rückte fast die ganze II. Mannschaft auf. Trotzdem hatten wir oft nicht genug Leute und standen manchmal zu 5. zum Training da. Selbst ich musste wieder einsteigen und war eine Zeit lang Spielertrainer der Ersten. Am Ende stiegen wir bis in die Kreisliga ab. Später war ich noch kurze Zeit Trainer der B- und F-Jugend. Heute bin ich nur noch als Platzwart aktiv, wobei man sagen muss, dass der Rasen heute durch die ganzen Materialien und neuen Dünger besser und ebener ist. Die größten Spiele im Stadion der Freundschaft nach der Wende waren gegen die Uwe-Seeler Elf, Schalke 04, Borussia Dortmund Traditionself, Hansa Rostock und das Thüringenpokalfinale ’98 zwischen Wacker Nordhausen und Rot-Weiß Erfurt wo ein riesiges Polizeiaufgebot in der Stadt war. Diese Spiele sind heute aufgrund der Sicherheitslage nicht mehr möglich.“
Warum Mario den Spitznamen „Mutsi“ weg hat, wusste er selbst nicht mehr. Er erinnert sich lediglich daran, dass dieser Spitzname auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.
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Part I: Heiko „Beckusch“ Becker wollte immer nur bei Preußen spielen
Als erstes stand uns Heiko Becker bereit, der uns etwas über die Zeit Ende der 90er Jahre erzählte, welche mit dem Aufstieg in die Bezirksliga gekrönt wurde.
Folgende Erinnerungen gab “Beckusch” zu Protokoll:
“Mit 11 habe ich begonnen Fußball zu spielen. Das war 1990. Das war damals eine schwierige Zeit, da nach der Wende der freie Fall begann, als das Landbaukombinat als Unterstützer weggefallen ist. Am letzten Spieltag der Saison 1995/96 durfte ich mit 17 Jahren erstmals in der Ersten auflaufen. Leider stiegen wir an diesem Tag in die Kreisliga ab. Es kamen einfach zu wenige Leute aus dem Nachwuchs dazu. Das war schon bitter für so eine große Stadt und bei den vielen Derbys gegen die Dörfer gaben die Gegner immer mehr als 100 Prozent. Das war schon eine krasse Zeit. In der Kreisliga wurden wir anschließend zweimal Zweiter, wobei ich als Stammspieler mit dabei war und zwar unter Trainer Torsten Otto. Dieser schaffte aber den Aufstieg nicht, doch nach langem Anlauf war es dann 99 soweit, als wir den Sprung zurück in die Bezirksliga geschafft haben. Am letzen Spieltag reichte uns ein Punkt in Henningsleben und wir haben gerade so ein 0:0 hingezittert. Danach kannte der Jubel aber keine Grenzen, da Tennstedt gleichzeitig verloren hatte. Es waren so 2 bis 300 Zuschauer da, wobei unsere Fans mit T-Shirts und auch lautstark auftraten. Wir Spieler feierten auf dem Rasen ausgelassen mit der Raupe und etlichen Flaschen Sekt. Anschließend ging es nach Wiegleben zu Jürgi Cibis ins Schwimmbad, wo Trainer Peter Heermann nass gemacht wurde. Das war schon eine geile Truppe damals und der Zusammenhalt war groß. Das erste Jahr in der Bezirksliga war dann sehr schwer und wir sind, glaub ich, nur drinnen geblieben, weil eine Truppe zurückgezogen hatte. Aus der heutigen Mannschaft war, denke ich, keiner weiter dabei. Bekannte Spieler waren Benno, Bittel, Keule, Jason usw. Im Nachhinein war der Aufstieg sehr wichtig für die weiter Entwicklung des Vereins. Aufsteigen ist halt immer schwerer als absteigen, deswegen war es gut, dass wir es im dritten Jahr geschafft haben, weil sonst möglicherweise Leute weggegangen wären. Aber ich persönlich wollte nie aufs Dorf. Ich wollte mich bei Preußen durchsetzen und hatte großen Ehrgeiz. Außerdem wollte ich nie Geld fürs Fußballspielen, sondern halt immer meinen Spaß haben. Besonders cool war es dann, als wir als relativer Neuling in der Liga den Spitzenreiter Eisenach nach 11 ungeschlagenen Spielen auswärts besiegt haben. Anschließend haben wir gefeiert und gesungen ohne Ende. Das war echt eine richtig schöne Zeit damals und es ist schön, dass es heute so weiter geht mit unserer guten Truppe und der lautstarken Unterstützung von den Fans. Macht weiter so!”
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Anmerkung der Redaktion:
Da spielte „Beckusch’s“ Verstand ihm wohl einen kleinen Streich. In der ersten Bezirksliga-Saison 99/00 erreichte Preußen den 12. Platz in der Staffel 7 und machte bereits am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt perfekt als man in Schlotheim ein 0:0 erreichte. In der Aufstiegssaison 98/99 spielte Heiko 23 von 24 möglichen Spielen und erzielte dabei ein Tor zum 6:0 Heimsieg gegen Großwelsbach.